Mercedes S63 AMG 4matic im Test

Mercedes-Benz S 63 AMG 4matic Luxuslimousine

Mercedes S63 AMG 4matic im Test

Mercedes S63 AMG 4matic – Die Geschichte

 

Bereits 1971 hat der 300 SEL AMG mit einem überraschenden zweiten Platz beim 24-Stunden Rennen von Spa Francorchamps für eine Sensation gesorgt. Ein 1,5 Tonnen Renntourenwagen auf Luxuslimousinen-Basis kombiniert mit einem 6,8-Liter-V8 und aus heutiger Sicht eher lausigem Fahrverhalten, fährt mehr als nur einen Achtungserfolg ein. Spätestens da sollte Kritikern klar sein: Mit schierer Leistung ist vieles möglich. Und die gibt es auch in der neuen Mercedes S63 AMG S-Klasse.

 

Die Basis

Ob es auch möglich ist, das, wie es großspurig angekündigt wurde „beste Auto der Welt noch besser zu machen“? Vollgestopft mit allen erdenklichen Komfort-Features ist die „Standard“ S-Klasse des Modelljahres 2014 über zwei Tonnen schwer. Ein optionales magisches Fahrwerk (Magic Body Control nicht in Kombination mit Allradantrieb erhältlich bei Mercedes 4matik genannt im Mercedes S63 AMG) erkennt per Kameratechnik Bodenwellen vorher, und schluckt Asphaltkaries als ob das bundesdeutsche Straßennetz vollends saniert wäre. Zugepflastert mit mehr oder minder sinnvollem Technik-Schischi, von einer geschwindigkeitsabhängigen Lenkung über die üblichen Sicherheitsfeatures vom Schlage eines Spurverlassenswarners (Lane Assist), Fußgänger-Brems-Assistenten oder Nachtsicht-Unterstützern. Wer diese Systeme braucht, um im Straßenverkehr zu überleben, der sollte sich fragen, ob er nicht schon vorsätzlich handelt, wenn er sich dennoch hinters Steuer setzen würde. Aber das Thema ist nicht das Problem von Mercedes.

 

Die Entwicklung des Mercedes S 63 AMG

 

Nicht ganz neu hingegen ist, die Karosserie weitgehend aus Aluminium zu fertigen und damit dem Mehrgewicht durch zusätzliche Sicherheits- und Komfortausstattung entgegenzuwirken. Andere Hersteller praktizieren das schon seit Jahren. Neu ist allerdings eine Lithium-Ionen-Starterbatterie statt der herkömmlichen aus Blei zu verbauen. Außerdem ist die Reserveradmulde aus einem Karbon-Teil gefertigt und die geschmiedeten Leichtmetallräder sind in der neuen Luxus-Limo Serienmäßig montiert. Das alles hat dazu geführt, die neue AMG-S-Klasse im Gegensatz zum Vorgängermodell etwa 100 Kilo leichter zu machen. Die Verbrauchswerte profitieren dadurch. Im Idealfall soll sich die 63er-Sänfte nur 10,3 Liter auf Einhundert Kilometer genehmigen. Wer hingegen die Performance des Affalterbacher Kraftwerkes spüren möchte, merkt nicht nur das Gewicht von 2070 Kilo auf der Bremse, sondern muss auch an der Zapfsäule Tribut zollen. 14,9 Liter sind in der mit einem sportlichen Gasfuß in der Realität keine Seltenheit. Gegen die Unvernunft kann man auch den Grundpreis des Mercedes S63 AMG als weiteres „Sicherheitsfeature“ werten: Mindestens 149.880,50 Euro sind für den sportlichen fliegenden Teppich „Made im Schwabenländle“ fällig. Die Allradversion kostet nochmal 2737 Euro mehr.

 

Der Antrieb

 

Bei AMG-Piloten sorgen ohnehin Sonderausschüttungen von Adrenalin für besondere Aufmerksamkeit. Seit 2010 gibt´s die S-Klasse mit Leistungsplus aus Affalterbach mit dem 5,5 Liter Biturbo-V8-Motor. Das Aggregat leistet jetzt 585 PS, satte 41 Pferde mehr als das alte. 900 Newtonmeter fallen über die Achsen her. Trotz des hohen Drehmoments war es möglich die Aluminium-Hinterachse aus dem Serienmodell zu übernehmen. Das schont vor unnötigen Pfunden. Damit die Leistung nicht in Rauch aufgeht, gibt’s den neuen S 63 AMG auch erstmals mit dem Allradsystem 4 Matic. Das Mehr an Leistung lässt sich dadurch nicht nur unmittelbar auf den Asphalt zaubern. Durch die gegenüber der Serie (45/55% v/h) auf 33 zu 67 % (v/h) geänderte Kraftverteilung, ist es den Ingenieure auch gelungen, die Heckdynamik, eine der AMG-Grundtugenden wenigstens theoretisch zu erhalten. Bei der Ausfahrt durch die verregneten Kitzbüheler Alpen bewahrheitet sich mal wieder das Sicherheitsplus vier angetriebener Gummiwalzen. Denn was macht bei einer sportlichen Luxuslimousine mehr Sinn, als die fast schon unvernünftige Power an beide Achsen zu verteilen, um damit zwei Tonnen Edelstahl dank Allrad-Technik und des bekannten 7-Gang MCT-Speedshift-Automatikgetriebes in vier Sekunden auf hundert Kilometer pro Stunde, spielend bis auf 250 Km/h zu beschleunigen oder optional bis auf 300? Richtig: da muss man den Mercedes S63 AMG einfach mal ausprobieren!

 

 

 

 

Der Auftritt

Optisch fällt die gepimpte Mercedes S63 AMG S-Klasse nur durch den vier Endrohre umschließenden Diffusor und seitliche Bitirbo-V8-Schriftzüge auf. Wahlweise kann man seine Potenz durch Karbon-Anbauteile an Schwellern und Schürzen untermalen. Dem Fahrer eröffnen beim der Wahl des „Sport“-Modus im digitalen Tachofeld Zusatzanzeigen die Kontrolle auf Motor- und Getriebetemperaturen. Soundtechnisch hingegen hat man immer die Wahl: Im Komfort-Modus bleiben die Klappen im Endrohr für einen klanglich dezenten und sozialverträglichen Auftritt geschlossen. Dreht man den Schalter allerdings auf „Sport“ stehen die Klappen dem Abgasstrahl nicht mehr im Wege, und mit jedem Gasstoß zaubert der Fahrer die unverwechselbare AMG-Fanfare ins Blech. Emissionen in ihrer schönsten Form! Wer will sich da noch zurückhalten, kündigt der Sound doch würdig einen Leistungsträger an. Durch die schiere Masse neigt der Koloss bei schnellen Kurvenfahrten leicht zu Untersteuern. Die geschwindigkeitsabhängige elektrohydraulische Lenkung fühlt sich synthetisch an und ist für gemächliche Cruiser perfekt, aus sportlichem Blickwinkel aber etwas zu leichtgängig. Der Druck aufs Gaspedal der Allradversion aus der Kurve heraus ist jedoch eine helle Freude. Da vergisst man gerne in welchem Fahrzeugkonzept man sitzt, und erkennt erst beim Blick auf den Tacho, dass der Führerscheinfreie Bereich längst erreicht ist.

 

Das Fazit zum Mercedes S63 AMG 4matic

Das Komfort-Level dank Technik-Schischi, Luftfahrwerk und des niedrigen Innenraum-Geräuschpegels dieser Mercedes S63 AMG S-Klasse ist sehr überzeugend. Die Kraftreserven der AMG-Version sind schlicht beeindruckend. Der Allrad bietet nicht nur ein Sicherheitsplus, sondern auch der Trägheit der Masse einen Korridor für den Vorwärtsdrang. Von Übergewicht mag man angesichts der Leistung und in Anbetracht einer Luxuslimousine mit Vollausstattung kaum sprechen. Immerhin hat man dank der Klappenlösung im Endrohr die Gewissheit zwischen dezenter Chauffeurs-Limo und sportlicher Langstreckenrakete hin und her zu schalten. Und wenn sich aus einem satten Abgasstrahl und einem Stück Blech so etwas emotionales wie die Hymne von Affalterbach komponieren lässt, welcher Motorfreund würde da nicht andächtig lauschen? Für die nötige Umweltverträglichkeit sorgt doch ohnehin der hohe Einstiegspreis.

 

 

 

 

Motor 
Zylinder8
Hubraum5.461 ccm
Leistung
PS585
Drehmoment900 Nm
0 - 100 km/h4,0 sec
Vmax (abgeregelt)250 km/h
Vmax (offen)300 km/h
GetriebeAMG 7-Gang
Gewicht2070 kg
AntriebsartAllrad
Länge (mm)5324
Breite (mm)2130
Umwelt
Co2 - Emission242 g/km
Verbrauch10,3 l / 100 km
EmissionsklasseEuro 6

 

 

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